Spielerwissen ≠ Charakterwissen
Was ein Spieler über das Board weiß, weiß sein Charakter nicht automatisch. Informationen aus anderen Threads, aus dem Discord oder aus dem Wiki sind Spielerwissen - sie existieren außerhalb der Figur. Ein Charakter weiß nur das, was er im Spiel selbst erfahren hat: durch eigene Beobachtung, durch Gespräche, durch Konsequenzen von Ereignissen, an denen er beteiligt war.
Metagaming - also das Einfließen von Spielerwissen in Charakterentscheidungen - ist eine der häufigsten und am schwersten zu greifenden Regelverletzungen im Foren-RPG. Wir erwarten, dass jeder Spieler diese Grenze kennt und ernst nimmt. Ein Charakter, der sich verhält als hätte er Informationen, die er nicht haben kann, zerstört die Glaubwürdigkeit von Szenen und macht das Schreiben für andere unberechenbar.
Plotrelevante Ereignisse
Wenn im Setting etwas passiert - ein Mord, eine Verhaftung, ein öffentlicher Vorfall - betrifft das die Spielwelt, auch wenn der eigene Charakter nicht dabei war. Wie ein Charakter davon erfährt, hängt von seiner Position, seinem Netzwerk und seinen Informationsquellen ab. Ein Renegades-Mitglied erfährt von einem Mord in South Central anders und schneller als ein Anwalt in Brentwood. Ein korrupter Polizist erfährt Dinge über interne Vorgänge, die ein Zivilist nie hören würde.
Plotrelevante Ereignisse, die offiziell als Canon gesetzt wurden, dürfen und sollen in Szenen aufgegriffen werden - sofern die eigene Figur plausiblen Zugang zu dieser Information hat. Was nicht geht: einen Charakter auf Ereignisse reagieren zu lassen, von denen er aus seiner Perspektive heraus unmöglich wissen kann.
Zeitlinien & offene Threads
In einem Foren-RPG spielen Charaktere oft mehrere Threads gleichzeitig, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten in der Spielzeit stattfinden. Das ist normal und akzeptiert. Was dabei beachtet werden muss: Ereignisse aus einem Thread, die den Charakter verändern - Verletzungen, neu gewonnenes Wissen, veränderte Beziehungen - gelten erst dann in anderen Threads als Canon, wenn der entsprechende Thread abgeschlossen ist oder wenn alle beteiligten Spieler sich darüber einig sind.
Wer unsicher ist, ob ein Ereignis aus einem noch offenen Thread bereits in einem anderen aufgegriffen werden kann, klärt das kurz mit den beteiligten Schreibpartnern. Eine kurze OOC-Nachricht ist kein Zeichen von Schwäche - sie verhindert Widersprüche, die sich später schwer auflösen lassen.
Größere Plots & Fraktionsgeschehen
Plots, die nur den eigenen Charakter betreffen, brauchen keine Vorabgenehmigung. Wer eine persönliche Geschichte schreibt, kann das eigenständig tun. Anders verhält es sich bei Plots, die das Setting verändern, andere Fraktionen berühren oder Canon-Ereignisse setzen, die für andere Spieler verbindlich sind.
Für solche Plots gilt: vorherige Abstimmung mit dem Team. Das bedeutet nicht, dass jeder Plotgedanke genehmigt werden muss - es bedeutet, dass Ereignisse mit settingweiter Wirkung nicht unilateral gesetzt werden. Wer plant, dass sein Charakter einen wichtigen NPC tötet, eine Fraktion destabilisiert, ein öffentliches Ereignis auslöst oder politische Strukturen im Setting verändert, spricht das vorher ab. Das schützt andere Spieler davor, mit einem veränderten Setting konfrontiert zu werden, ohne die Möglichkeit gehabt zu haben, darauf zu reagieren.
Die Abstimmung läuft über den Discord. Das Team hilft dabei, Plots so einzubetten, dass sie für alle spielbar sind - nicht um Ideen zu blockieren, sondern um sie in das größere Bild zu integrieren.
Charaktertod & schwere Konsequenzen
Vollzeit-Charaktere können nicht ohne Zustimmung des betroffenen Spielers sterben. Das ist keine Einschränkung der Dramaturgie - es ist der Schutz eines Charakters, in den jemand Arbeit und Investition gesteckt hat. Wer seinen Charakter in eine Situation führt, in der Tod oder schwere Konsequenzen realistisch wären, übernimmt die Verantwortung dafür, das mit seinen Schreibpartnern abzustimmen.
Für Tode, Morde und Situationen, in denen eine Figur bewusst in extremes Risiko geführt wird, bietet LA Midnight das Format der Plot Relevant Characters (PRCs). PRCs können sterben, verhaftet werden und aus dem aktiven Spiel herausgenommen werden - das ist ihr Zweck. Wer eine Figur schaffen will, die für einen Plot stirbt, nutzt dieses Format.
NPCs können jederzeit eingebracht und auch getötet werden, ohne Absprache - sie gehören niemandem und sind Werkzeuge der Geschichte. Wer unsicher ist, ob eine Figur als NPC oder als Charakter eines anderen Spielers behandelt wird, fragt kurz nach.
Godmodding
Godmodding bezeichnet das Ausspielen von Handlungen an fremden Charakteren, ohne dass der betroffene Spieler die Möglichkeit hatte, zu reagieren oder die Handlung abzulehnen. Das betrifft physische Aktionen - jemanden festhalten, verletzen, entwaffnen - genauso wie emotionale Manipulationen oder das Treffen von Entscheidungen für eine fremde Figur.
Der Grundsatz ist einfach: Wer etwas an einem fremden Charakter tut, schreibt es als Versuch oder Aktion, nicht als vollendete Tatsache. Der andere Spieler entscheidet, wie sein Charakter reagiert. Ausnahmen gelten nur, wenn beide Seiten vorher explizit etwas anderes abgesprochen haben.
